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Die Zeit (W. Busch)

Die Zeit, die alte Urschel,
hinterrücks immer geschäftig, huscht sie
geräuschlos vorüber in ihren Filzschuhen,
den Haarbesen in der Hand.

Ich dreh mich um - sieh da!
Ein ganzer Winter voller Schnee,
ein Frühling samt Veilchen und Nachtigallen,
ein Sommer mit seinen Gemüsekörben
und Rosensträußen -

es ist alles fein sauber beiseite gekehrt
an den Ort, wo geschrieben steht:
"Vergangenheit!
Hier wird Schutt abgeladen."

(1982)

Wirbelwind



Geister des Windes
raufen sich leise,
zanken sich zischend
auf diebischer Reise
durch’s gleißende Land,
vom Sommer verbrannt.

Wie können sie frech sein!

Ein dürstendes Bächlein,
gelb-goldene Zöpfe
im stachligen Saum
des Dorfes
ebener weiterer Raum,
ein wirbelnder Strumpf
aus Stroh und aus Staub…

Bald fliehen sie ledig
mit billigem Raub
der Sonne Wut,
der Erde Glut.

Die Sonnentänzerin

Gemälde Acryl, 40 x 80 cm, käuflich: Sonja Hager
Sonnentänzerin
Wohlig um die ganze Sonne wehen,
sprühend Staub und Dunst zerglühen sehen,
Blitzezeiten müßig fortgewoben,
Weg und Raum sind winzig aufgehoben.

Neutrinos, erfrischend,
spritzen ihr Antlitz
und trunk’ne Küsse saufen Tropfen.
Die pochen’s Herz! Wie brennt’s die Kehle!
Welch würzig süßer Feuerodem,
immer wieder heiß!

Strahlende Wärme in leuchtenden Farben,
vom Fuß bis zum Haupte in mächtigen Garben,
durchflutet in lodernder Aura mit Würde
die tanzende Göttin, ganz frei jeder Bürde.

Wie Rehe sich strecken,
nackend im Walde,
ein flinkes Silberlicht im Regen!
Protonen rauschen wohlig nieder,
Photonenschauern nieseln golden,
und die Haut wird glatt.

Fort durch Äonen, erhobenen Mutes,
verströmt sie den Lichterkranz. So nur geruht es
der Mutter des Uriel leichthin zu fließen,
das Leben so zärtlich, doch wild zu genießen.

(Anm.: Uriel ist der Engel des Lichts)

Sonne döst


Habichte schweben,
schneidend scharf ihre schreie.
Fern taut ein bächlein.

Weißes lineal
im blau
droben kein wölkchen,
summt frühling ans ohr.

Schatten springen sacht,
abendrast am waldesrain,
sonne döst, schläft ein.

Wow! Solch wunder
- licht!
farbendunkler abendhauch,
himmelslebensglut!

Herbst-Zeit

Zur Ruhe kommen Vieh und Weide.
Ein Nebel hüllt das Tal in Seide.
Fern ragt ein Turm, bizarr gezackt
von Wandervögeln, dicht gepackt.

Vorüber ist der Sonne Kraft,
und alles, was der Wind nicht rafft,
das läßt den Scherz und sein Gehab’
es find schon selbst sein welkes Grab.

Der Wald weint feine Schleier,
es frösteln schon die Weiher.
Der Sommer ist zuende:
Wenn ich ihn wiederfände!

Die Zeit zerrinnt
und eilt geschwind
von Tag zu Jahr,
legt Schnee
ins Haar.

Sanft durch alle Nacht

Hoffnungsfrohe Herzen klopfen -
Weihnacht! Glitzerfunken tropfen
über grüne Tannenpracht,
glimmen sanft durch alle Nacht.

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